Diplomarbeit Thema finden in Österreich: Anleitung und Beispiele
Das Thema deiner Diplomarbeit legt fest, welchen wissenschaftlichen Gegenstand du untersuchst und in welchem fachlichen Rahmen Forschungsfrage, Methodik und Auswertung entwickelt werden. In Österreich richtet sich die konkrete Themenwahl nicht nach einer allgemeinen Standardvorlage, sondern nach Universitätsgesetz, Curriculum und den Regeln deiner Universität.
Als Studierende oder Studierender eines Diplomstudiums kannst du nach Maßgabe der universitären Regelungen ein Thema und eine Betreuung vorschlagen oder aus angebotenen Themen wählen. Die Aufgabenstellung muss so zugeschnitten sein, dass sie wissenschaftlich sinnvoll und innerhalb des vorgesehenen Rahmens realistisch bearbeitbar ist.
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Österreich verstehen
Was ist eine Diplomarbeit in Österreich?
Dieser Artikel behandelt wissenschaftliche Diplomarbeiten an österreichischen Hochschulen beziehungsweise Universitäten. Gemeint ist damit nicht die schulische Abschlussarbeit an einer berufsbildenden höheren Schule.
Nach § 81 Universitätsgesetz 2002 ist im Diplom- oder Masterstudium grundsätzlich eine Diplom- beziehungsweise Masterarbeit abzufassen. Nähere Bestimmungen zur Betreuung und Beurteilung stehen in der Satzung der jeweiligen Universität; Vorgaben zum Thema werden im jeweiligen Curriculum konkretisiert.
Die Universität Wien beschreibt Diplom- und Masterarbeiten als wissenschaftliche Arbeiten, mit denen Studierende nachweisen, dass sie ein wissenschaftliches Thema selbstständig sowie inhaltlich und methodisch vertretbar bearbeiten können.
Diplomstudien gibt es in Österreich weiterhin
Die Studienstruktur ist heute fachabhängig. An der Medizinischen Universität Wien bestehen beispielsweise Diplomstudien in Humanmedizin und Zahnmedizin mit Diplomarbeit. An der Universität Wien wird auch das Diplomstudium Katholische Fachtheologie weitergeführt; ab Wintersemester 2026 gilt dafür ein neues Curriculum.
Beide Arbeitsformen werden im Universitätsgesetz teilweise gemeinsam geregelt. Welche konkrete Abschlussarbeit du verfasst, ergibt sich aber aus deinem Studienplan. Für Thema, Betreuung, Anmeldung und formale Anforderungen ist deshalb immer dein aktuelles Curriculum maßgeblich.
Thema richtig verstehen
Diplomarbeit Thema, Forschungsfrage und Arbeitstitel unterscheiden
Das Thema ist noch nicht die Forschungsfrage. Diese Unterscheidung ist für eine belastbare Themenwahl entscheidend.
| Ebene | Funktion | Beispiel |
|---|---|---|
| Themengebiet | breites wissenschaftliches Feld | Gesundheitskompetenz |
| Diplomarbeitsthema | konkret eingegrenzter Untersuchungsgegenstand | Digitale Gesundheitskompetenz bei Patient:innen mit chronischen Erkrankungen in Wien |
| Forschungsfrage | präziser Erkenntnisanspruch | Welche Faktoren stehen mit der digitalen Gesundheitskompetenz der untersuchten Patient:innen in Zusammenhang? |
| Arbeitstitel | sprachliche Bezeichnung der Arbeit | Digitale Gesundheitskompetenz bei chronisch erkrankten Patient:innen: Eine empirische Untersuchung in Wien |
Ein Thema kann während der Planungsphase noch sprachlich verändert werden, ohne dass sich der Untersuchungsgegenstand grundlegend ändert. An der MedUni Wien kann sich beispielsweise der angemeldete Titel bis zur Einreichung noch verändern; entscheidend bleibt die genehmigte wissenschaftliche Aufgabenstellung.
„Künstliche Intelligenz in der Medizin“ ist ein Themengebiet, aber noch kein Diplomarbeitsthema. Erst Population, Kontext, Gegenstand und möglicher Erkenntnisweg machen daraus ein bearbeitbares Forschungsvorhaben.
Rechtlicher Rahmen
Welche Regeln gelten für die Themenwahl in Österreich?
Das Universitätsgesetz gibt einen allgemeinen Rahmen vor, überlässt die konkrete Ausgestaltung aber Universität und Curriculum.
Recht, ein Thema vorzuschlagen
Nach § 59 Abs. 1 Z 5 UG können ordentliche Studierende eines Diplom- oder Masterstudiums das Thema und die Betreuung nach Maßgabe der universitären Regelungen und nach vorheriger Befassung der Betreuung vorschlagen oder aus einer Anzahl von Vorschlägen auswählen.
Thema muss zum Studium passen
Welche fachlichen Bereiche zulässig sind, bestimmt das jeweilige Curriculum. An der MedUni Wien muss das Diplomarbeitsthema beispielsweise einem wissenschaftlichen Fachgebiet der Universität oder des Curriculums zugeordnet werden können.
Sechs Monate bedeuten nicht automatisch Abgabefrist
§ 81 Abs. 2 UG verlangt, dass die Aufgabenstellung so gewählt wird, dass ihre Bearbeitung innerhalb von sechs Monaten möglich und zumutbar ist. Daraus folgt keine pauschale österreichweite Regel, nach der jede Diplomarbeit exakt sechs Monate nach Anmeldung abgegeben werden muss. Konkrete Abläufe und Fristen können universitätsspezifisch geregelt sein.
Gemeinsame Themen sind grundsätzlich möglich
Das UG erlaubt die gemeinsame Bearbeitung eines Themas, wenn die individuellen Leistungen getrennt beurteilt werden können. Ob und wie dies in deinem Studiengang praktisch umgesetzt wird, muss mit Curriculum und Studienorganisation abgeglichen werden.
Ein Themenvorschlag kann fachlich interessant sein und trotzdem nicht zu deinem Curriculum, zur verfügbaren Betreuung oder zu universitätsinternen Genehmigungsvoraussetzungen passen. Prüfe diese drei Ebenen früh.
Qualitätskriterien
Woran erkennst du ein gutes Diplomarbeitsthema?
Ein gutes Thema liegt an der Schnittstelle von wissenschaftlicher Relevanz, fachlicher Passung und realistischer Durchführung. Persönliches Interesse ist hilfreich, reicht aber allein nicht aus.
Fachliche Passung
Das Thema gehört zu einem Fachgebiet deines Diplomstudiums und kann von einer fachlich geeigneten Betreuung begleitet werden.
Wissenschaftlicher Erkenntniswert
Die Arbeit sollte eine begründete Frage bearbeiten, vorhandene Forschung systematisch anwenden, vergleichen, prüfen oder vertiefen. Eine völlig neue Forschungslücke ist dafür nicht zwingend erforderlich.
Methodische Bearbeitbarkeit
Für die Forschungsfrage müssen geeignete Daten, Quellen, Materialien oder Untersuchungspartner tatsächlich zugänglich sein.
Machbarkeit
Umfang, Feldzugang, ethische Anforderungen, Datenauswertung und notwendige Ressourcen müssen zur Diplomarbeit passen. Gerade medizinische oder personenbezogene Forschung kann zusätzliche Genehmigungen und Datenschutzanforderungen auslösen.
Persönliche Anschlussfähigkeit
Vorwissen, fachliche Interessen und Methodenkenntnisse können die Bearbeitung erleichtern. Sie ersetzen aber nicht die wissenschaftliche Begründung des Themas.
Ein enges Thema mit klarer Forschungsfrage und zugänglichen Daten ist für eine Diplomarbeit meist stärker als ein gesellschaftlich riesiges Thema, das innerhalb des vorgesehenen Rahmens nicht methodisch sauber bearbeitet werden kann.
Thema entwickeln
In sechs Schritten zum passenden Diplomarbeitsthema
1. Fachgebiet festlegen
Beginne mit einem Bereich deines Diplomstudiums, in dem du genügend fachliche Grundlagen besitzt oder gezielt aufbauen kannst.
2. Forschungsstand sondieren
Suche nicht sofort nach einem endgültigen Titel. Prüfe zunächst, welche Fragen aktuell diskutiert werden, welche Methoden üblich sind und welche Daten verfügbar wären.
3. Erkenntnisinteresse formulieren
Möchtest du einen Zusammenhang prüfen, Erfahrungen verstehen, einen theoretischen Ansatz vergleichen, einen historischen Gegenstand rekonstruieren oder vorhandene Evidenz systematisch auswerten?
4. Thema eingrenzen
Begrenze Population, Zeitraum, Ort, Material, Variable, Theorie oder Anwendungsfeld so weit, dass ein klarer Untersuchungsgegenstand entsteht.
5. Methodische Machbarkeit prüfen
Überlege bereits vor der endgültigen Festlegung, wie die Forschungsfrage beantwortet werden könnte und ob Daten, Software, Laborzugang, Archive, Patient:innen, Interviewpartner:innen oder Literatur realistisch erreichbar sind.
6. Mit Betreuung und Curriculum abgleichen
Erst wenn fachliche Passung, Betreuung und institutionelle Anforderungen zusammenpassen, wird aus der Idee ein tragfähiges Diplomarbeitsthema.
In der Praxis wird ein Thema häufig mehrfach geschärft: Literatur verändert die Fragestellung, die Betreuung reduziert den Umfang oder der Datenzugang erzwingt eine andere Eingrenzung. Das ist normaler Teil wissenschaftlicher Planung.
Betreuung und Anmeldung
Diplomarbeitsthema mit Betreuung abstimmen und anmelden
Das Thema wird nicht nur inhaltlich entwickelt, sondern muss nach den Regeln deiner Universität mit einer geeigneten Betreuung verbunden und formell gemeldet beziehungsweise genehmigt werden.
Universität Wien
Die Universität Wien hält fest, dass das Thema einer Diplom- oder Masterarbeit im Einvernehmen zwischen Studierenden und Betreuer:innen festgelegt wird. Die Details der Betreuungsberechtigung und des Genehmigungsverfahrens richten sich nach Satzung und Studienprogramm.
MedUni Wien Humanmedizin
In Humanmedizin kann das Thema selbst entwickelt oder aus Themenangeboten potenzieller Betreuer:innen gewählt werden. Die Projektstudie aus SSM3 kann – muss aber nicht – später als Diplomarbeit fortgeführt werden. Vor Beginn der Bearbeitung sind Thema und Betreuung beim Studierendenmanagement anzumelden.
Für die Anmeldung verlangt die MedUni Wien einen Projektplan, der unter anderem Wissensstand, offene Fragen, Zielsetzung und geplante Methodik enthält. Diese Vorgabe ist ein Beispiel für eine institutionsspezifische Regel und keine allgemeine österreichische Exposé-Norm.
Informiere dich vor Beginn der eigentlichen Bearbeitung, welche Meldung oder Genehmigung dein Studiengang verlangt. Besonders bei empirischen Projekten können Betreuung, Ethik, Datenschutz oder Ressourcen bereits vor der Datenerhebung geklärt werden müssen.
Recherche in Österreich
Themenideen über österreichische Forschung und Bibliotheken entwickeln
Die Themenfindung sollte aus dem tatsächlichen Forschungsfeld entstehen. Gerade für österreichische Diplomarbeiten lohnt sich deshalb der Blick auf österreichische Universitäten, Fachbibliotheken, Repositorien und laufende Forschungsprojekte.
Universitätsbibliotheken und Fachdatenbanken
Nutze die Datenbankzugänge deiner Universität und die für dein Fach relevanten Literaturressourcen. Web of Science, Scopus oder fachspezifische Datenbanken können sinnvoll sein, sind aber nicht in jedem Fach die erste Wahl.
Repositorien österreichischer Hochschulen
Abschlussarbeiten und Dissertationen zeigen, welche Themen bereits bearbeitet wurden, welche Methoden in deinem Fach üblich sind und wie eng Fragestellungen zugeschnitten werden. Sie dienen zur Orientierung, nicht als Themenkatalog zum Kopieren.
Forschungsgruppen und Themenbörsen
In manchen Studiengängen werden konkrete Themen angeboten. Die MedUni Wien betreibt beispielsweise eine Themenbörse für Projektstudien und Diplomarbeiten im Humanmedizinstudium.
Aktuelle Forschungslinien
Arbeitsgruppen, Institute und wissenschaftliche Projekte deiner Universität sind besonders relevant, weil dort häufig Betreuungskompetenz, Datenzugang und konkrete Forschungsthemen zusammenkommen.
Ein Thema ist oft besonders realistisch, wenn es an laufende Forschung einer Arbeitsgruppe anschließt. Dann sind fachliche Expertise, Datengrundlage und methodische Infrastruktur eher vorhanden als bei einem völlig losgelösten Projekt.
Thema eingrenzen
Ein zu breites Diplomarbeitsthema präzise eingrenzen
Die meisten frühen Themenideen sind zu groß. Eingrenzung bedeutet nicht, das Thema „kleiner zu machen“, sondern den Erkenntnisgegenstand wissenschaftlich klar zu definieren.
Du kannst eingrenzen nach
- Population: Welche Personen oder Fälle?
- Ort: Österreich, Bundesland, Universität, Klinik oder Organisation?
- Zeitraum: Welche historische oder aktuelle Periode?
- Variable oder Phänomen: Welcher konkrete Zusammenhang oder Prozess?
- Theorie: Welche Erklärungsperspektive?
- Material: Welche Texte, Daten, Proben oder Dokumente?
- Methode: Welche Untersuchung ist realistisch durchführbar?
Beispiel Medizin
Zu breit: „Künstliche Intelligenz im Gesundheitswesen“
Präziser: „Akzeptanz KI-gestützter Befundunterstützung bei Ärzt:innen einer österreichischen Universitätsklinik“
Beispiel Theologie
Zu breit: „Religion und Digitalisierung“
Präziser: „Digitale Formen liturgischer Teilhabe in katholischen Pfarrgemeinden in Österreich nach 2020“
Ein österreichischer Kontext kann Population, Rechtsrahmen, Versorgungssystem, Institutionen oder Datenzugang sinnvoll begrenzen. Verwende „Österreich“ nicht nur im Titel, wenn die Untersuchung diesen Kontext wissenschaftlich gar nicht benötigt.
Beispiele
Diplomarbeit Themen in Österreich – Beispiele
Die folgenden Beispiele orientieren sich bewusst an Studienbereichen, in denen Diplomstudien beziehungsweise Diplomarbeiten in Österreich aktuell relevant sind. Sie sind Themenideen, keine automatisch genehmigungsfähigen Forschungsvorhaben.
Humanmedizin
- Zusammenhang zwischen digitaler Gesundheitskompetenz und Nutzung telemedizinischer Angebote bei chronisch erkrankten Patient:innen in Wien
- Retrospektive Analyse von Einflussfaktoren auf postoperative Wiederaufnahmen in einer österreichischen Universitätsklinik
- Erfahrungen von Ärzt:innen mit KI-gestützter Befundunterstützung in der klinischen Routine
- Versorgungsbarrieren in der hausärztlichen Betreuung von Patient:innen mit Migrationsbiografie in urbanen Regionen Österreichs
Zahnmedizin
- Einfluss digitaler Aufklärungsmaterialien auf das Verständnis präventiver Mundhygienemaßnahmen bei jungen Erwachsenen
- Retrospektive Untersuchung ausgewählter Risikofaktoren bei periimplantären Erkrankungen in einer universitären Versorgungseinrichtung
- Patient:innenakzeptanz digitaler Abformverfahren im Vergleich zu konventionellen Verfahren
Katholische Fachtheologie
- Digitale Formen religiöser Gemeinschaft in katholischen Pfarren in Österreich
- Kirchliche Positionierungen zu künstlicher Intelligenz im Kontext theologischer Anthropologie
- Veränderungen religiöser Praxis junger Erwachsener in Österreich im Spannungsfeld von Individualisierung und Gemeinschaft
- Pastorale Kommunikation in sozialen Medien: qualitative Analyse ausgewählter österreichischer Diözesen
Themenbeispiele immer fachlich prüfen
Ein interessanter Titel ist noch keine geeignete Diplomarbeit. Vor einer Festlegung müssen Literaturstand, Forschungsfrage, Methode, Betreuungsmöglichkeit, Datenzugang und gegebenenfalls Ethik- oder Datenschutzanforderungen geprüft werden.
Viele allgemeine Ratgeber nennen BWL, Psychologie oder Informatik pauschal als „Diplomarbeit-Fächer“. In Österreich sind Studienabschlüsse heute unterschiedlich organisiert. Prüfe deshalb zuerst, ob dein konkretes Studium überhaupt eine Diplomarbeit vorsieht.
Methodenpassung
Thema und Methodik gemeinsam auf Machbarkeit prüfen
Eine Themenidee ist erst tragfähig, wenn ein realistischer Weg zur Beantwortung der Forschungsfrage existiert.
| Frage vor der Festlegung | Warum sie wichtig ist |
|---|---|
| Welche Daten oder Quellen brauche ich? | ohne zugängliche Datengrundlage bleibt das Thema theoretisch |
| Benötige ich Ethik- oder Datenschutzfreigaben? | kann Zeitplan und Durchführbarkeit wesentlich beeinflussen |
| Beherrsche ich die notwendige Methode? | komplexe Verfahren benötigen Einarbeitung und Betreuung |
| Ist die Stichprobe erreichbar? | Rekrutierung kann zum Engpass empirischer Forschung werden |
| Ist die Forschungsfrage im vorgesehenen Rahmen beantwortbar? | § 81 UG verlangt eine zumutbar und realistisch bearbeitbare Aufgabenstellung |
Wenn du keine plausible Antwort auf die Frage „Wie könnte ich das untersuchen?“ findest, ist das Thema meist noch zu breit, zu unklar oder für die vorhandenen Ressourcen ungeeignet.
Techniken nutzen
Mindmap, Strukturbaum, Clustering und W-Fragen zur Themenfindung
Kreativtechniken aus dem Ausgangsartikel bleiben sinnvoll, wenn sie nicht als Ersatz für Literaturrecherche und fachliche Prüfung verstanden werden. Sie helfen vor allem dabei, ein breites Interessengebiet in mögliche Teilfragen zu zerlegen.
Mindmap
Setze das breite Fachgebiet in die Mitte und ordne darum Populationen, Methoden, Theorien, Datenquellen, Kontexte und mögliche Forschungsprobleme.
Strukturbaum
Ein Strukturbaum eignet sich, um aus einem Oberthema mehrere systematisch geordnete Teilbereiche abzuleiten. Dadurch erkennst du, welche Ebene noch zu allgemein und welche bereits untersuchbar ist.
Clustering
Beim Clustering sammelst du zunächst frei Begriffe und ordnest sie anschließend zu thematischen Gruppen. Die Methode ist besonders nützlich in einer frühen Ideenphase.
W-Fragen
- Was? Welches Phänomen untersuche ich?
- Wer? Welche Population oder Akteursgruppe?
- Wo? Welcher institutionelle oder geografische Kontext?
- Wann? Welcher Zeitraum?
- Wie? Welcher methodische Zugang?
- Warum? Welches wissenschaftliche Problem?
Service Design Thinking kann bei stark anwendungsbezogenen Fragestellungen ebenfalls Ideen erzeugen, ist aber keine allgemeine wissenschaftliche Methode zur Themenvalidierung und deshalb nur ergänzend sinnvoll.
Nach jeder Kreativphase muss die wissenschaftliche Prüfung folgen: Gibt es relevante Forschung? Ist das Problem tatsächlich offen oder sinnvoll bearbeitbar? Passt die Idee zum Curriculum und zu einer verfügbaren Betreuung?
Projektplan oder Exposé
Themenidee mit Projektplan oder Exposé absichern
Ein kurzer Projektplan ist ein guter Test dafür, ob aus einer Themenidee bereits ein wissenschaftlich tragfähiges Vorhaben geworden ist. Ob ein formales Exposé erforderlich ist und welchen Umfang es haben muss, ist universitätsspezifisch.
Ein sinnvoller Entwurf enthält
- vorläufigen Arbeitstitel,
- Problemstellung und wissenschaftliche Relevanz,
- aktuellen Forschungsstand in Grundzügen,
- Zielsetzung und Forschungsfrage,
- geplante Methode und Datengrundlage,
- Machbarkeit und gegebenenfalls Ressourcen beziehungsweise Genehmigungen,
- erste Literaturbasis.
Die MedUni Wien verlangt für die Anmeldung der Diplomarbeit in Humanmedizin beispielsweise einen Projektplan mit Wissensstand, offenen Fragen, Zielen und geplanter Durchführung. Andere Universitäten und Diplomstudien können davon deutlich abweichende Anforderungen haben.
Wenn du Forschungsfrage, Datenbasis und Methode auf wenigen Seiten nicht schlüssig miteinander verbinden kannst, ist das Thema wahrscheinlich noch nicht ausreichend geklärt.
Fehler vermeiden
Häufige Fehler bei der Themenwahl vermeiden
Thema ist nur ein Trendwort
„KI“, „Nachhaltigkeit“ oder „Digitalisierung“ sind Forschungsfelder, keine Diplomarbeitsthemen.
Eine Forschungslücke wird erfunden
Eine Diplomarbeit muss nicht beweisen, dass „noch niemand“ etwas untersucht hat. Auch Replikation, Kontextübertragung, systematischer Vergleich oder begrenzte Vertiefung können wissenschaftlich sinnvoll sein.
Methode wird erst nach Themenfreigabe überlegt
Dann kann sich zeigen, dass Daten nicht verfügbar, ethische Anforderungen zu hoch oder Verfahren für den Zeitrahmen ungeeignet sind.
Deutschland- oder Internationalbezug wird ungeprüft übernommen
Wenn deine Arbeit in Österreich entsteht, prüfe, ob Rechtsrahmen, Versorgungssystem, Institutionen oder Populationen einen österreichischen Zuschnitt erfordern.
Vorhandene Diplomarbeiten werden als Themenquelle kopiert
Sie zeigen Forschungspraktiken und Eingrenzungen. Die eigene Fragestellung muss wissenschaftlich selbstständig entwickelt werden.
Betreuung wird zu spät gesucht
Ein fachlich passendes Thema kann scheitern, wenn keine geeignete Betreuung oder institutionelle Infrastruktur verfügbar ist.
Die Sechs-Monats-Regel wird als fixe Abgabefrist missverstanden
Das UG formuliert eine Anforderung an die zumutbare Aufgabenstellung. Konkrete Bearbeitungs- und Verwaltungsfristen ergeben sich aus den jeweils geltenden universitären Regeln.
Passt das Thema zu deinem österreichischen Curriculum? Gibt es eine fachlich geeignete Betreuung? Ist eine präzise Forschungsfrage möglich? Sind Daten, Quellen und Methode realistisch? Und ist die Aufgabenstellung im vorgesehenen Rahmen bearbeitbar? Erst dann ist die Themenidee belastbar.
Fazit
Ein geeignetes Diplomarbeitsthema in Österreich entsteht nicht aus einer allgemeinen Themenliste, sondern aus dem Zusammenspiel von Curriculum, Forschungsstand, Forschungsfrage, Methodik, Betreuung und Machbarkeit. Das Universitätsgesetz gibt Studierenden grundsätzlich das Recht, Thema und Betreuung vorzuschlagen oder aus Vorschlägen auszuwählen, während die konkrete Ausgestaltung universitätsspezifisch bleibt. Besonders wichtig ist deshalb, Themen früh einzugrenzen, den Daten- und Methodenzugang zu prüfen und die Idee vor Beginn der eigentlichen Bearbeitung mit Betreuung und Studienorganisation abzustimmen.
Häufige Fragen & Antworten
FAQ zur Themenwahl der Diplomarbeit in Österreich
Darf ich das Thema meiner Diplomarbeit in Österreich selbst wählen?
Grundsätzlich können Studierende eines Diplomstudiums nach Maßgabe der universitären Regelungen Thema und Betreuung vorschlagen oder aus vorhandenen Vorschlägen auswählen. Das konkrete Thema muss jedoch zu Curriculum, Betreuung und Genehmigungsverfahren der Universität passen.
Muss eine Diplomarbeit eine neue Forschungslücke schließen?
Nein. Das Thema muss einen wissenschaftlich begründeten Erkenntnisanspruch besitzen. Je nach Fach können auch Replikation, Vergleich, Anwendung eines Ansatzes auf einen neuen Kontext oder systematische Aufarbeitung vorhandener Forschung sinnvoll sein.
Muss eine Diplomarbeit in Österreich in sechs Monaten fertig sein?
§ 81 UG verlangt, dass die Aufgabenstellung so gewählt wird, dass eine Bearbeitung innerhalb von sechs Monaten möglich und zumutbar ist. Das ist nicht automatisch identisch mit einer österreichweit einheitlichen sechsmonatigen Abgabefrist. Prüfe die konkreten Regeln deiner Universität.
Was ist der Unterschied zwischen Diplomarbeitsthema und Forschungsfrage?
Das Thema bezeichnet den eingegrenzten Untersuchungsgegenstand. Die Forschungsfrage formuliert, welche konkrete wissenschaftliche Erkenntnis du über diesen Gegenstand gewinnen möchtest.
Brauche ich für die Themenwahl ein Exposé?
Nicht nach einer österreichweit einheitlichen Regel. Manche Studiengänge verlangen für Anmeldung oder Genehmigung einen Projektplan beziehungsweise eine Vorhabensbeschreibung. Die MedUni Wien fordert in Humanmedizin beispielsweise einen Projektplan. Maßgeblich ist dein Studiengang.
Welche Fächer haben in Österreich noch Diplomarbeiten?
Diplomstudien bestehen weiterhin in bestimmten Bereichen. Beispiele sind Humanmedizin und Zahnmedizin an der MedUni Wien sowie Katholische Fachtheologie an der Universität Wien. Ob dein Studium eine Diplomarbeit vorsieht, ergibt sich aus dem aktuellen Curriculum.
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